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Bereits vor der letzten deutschen Bundestagswahl hat der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering die auch in Deutschland gewaltig um sich greifenden Private Equity-Gesellschaften der modernen Hochfinanz sehr zutreffend als “Heuschrecken” bezeichnet. Ob er dabei an die Heuschrecken als einer der zehn ägyptischen Plagen aus dem Alten Testament dachte, ist mir nicht bekannt, doch der Begriff der “Heuschrecke” machte in der Folge in den Medien mächtig Karriere.
So zeigte die Titelseite des SPIEGEL Nr. 51/18.12.06 eine riesige geflügelte Heuschrecke, die über ein verwüstetes, kahl gefressenes Land stampft, mit den Krallen Wolkenkratzer ausreisst und im Maul zertrümmert, zugleich aber auch eine ganze Anzahl eroberter, wohlgeordneter Prachtsgebäude auf ihrem Rücken transportiert. Der SPIEGEL-Titel dazu: “Die GIER des grossen Geldes. Finanz-Investoren greifen nach deutschen Unternehmen”.
Dem Artikel selbst waren schier unglaubliche Ungeheuerlichkeiten über die eiskalt schmarotzende Branche des ausländischen Private Equity (PE) - “privates Beteiligungskapital” - zu entnehmen, die sich “momentan quer durch die gesamte deutsche Wirtschaft” kauft beziehungsweise “frisst”. “In diesem Jahr [2006] dürfte das Private-Equity-Gewerbe weltweit Firmen im Wert von 600 Milliarden Dollar übernommen haben. Das ist doppelt so viel wie noch 2005 … Deutschland ist in dem weltweiten Geschacher aus mehreren Gründen zu einem der Hauptkriegsschauplätze geworden. Die alte Deutschland AG … hat sich in wenigen Jahren fast vollständig aufgelöst”.
Doch alle Analysen und Kommentare über diese schrecklichen, Arbeitsplätze vernichtenden “Heuschrecken” gehen an derem wahren Wesen ahnungslos vorbei. Hier nur die Aufklärung darüber:
Der Philosoph, Pädagoge und - vor allem - Zionist Martin Buber (1878-1965) trug ab 1906 Nacherzählungen der chassidischen Überlieferungen zusammen und veröffentlichte sie als “legendäre Anekdoten”, bei denen es sich um “unmittelbar der Lehre dienende Stücke” handelt. In der mir vorliegenden Ausgabe “Die Erzählungen der Chassidim” (12. Auflage, Zürich 1992, 842 Seiten) findet sich auf Seite 153 die Anekdote “Wie der Heuschreck”, und darin wird folgende Aussage von Rabbi Israel Baalschemtow (1700 - 1760), dem Begründer des Chassidismus, überliefert:
- “Ich habe im heiligen Geist geschaut, dass in den Geschlechtern, die dem Kommen des Messias vorangehen, die Rabbis der Chassidim wie der Heuschreck sich mehren werden, und sie werden es sein, die die Erlösung verzögern; denn sie werden Trennung der Herzen und grundlosen Hass bewirken.” [Hervorhebungen von mir]